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Von der Vereinigung "discipuli quondam Budissini" von Wolfgang Frenzel
Vom "Vereinswesen" an der Schule berichtet Dr. Richard Needon in seiner Schrift zum 400-jährigen Bestehen des Bautzner Gymnasiums, wo er allerdings auf Turnvereine, literarische und musikalische Vereine von Schülern unter der Leitung von Lehrern spricht. Von einer Vereinigung ehemaliger Gymnasiasten ist nicht die Rede, aber er erwähnt die "... von alten Schülern im Jahre 1867 zusammengebrachte Stiftung, das 'Stipendium discipulorum quondam Budissinorum'...". Der Bautzner Historiker R. Reimann schreibt in seiner "Geschichte der Stadt Bautzen", dass aus Anlass der Weihe des neuen Schulgebäudes am 1. Mai 1867 der damalige Rektor Palm und der Konrektor Prof. Jähne anregten, eine Vereinigung der ehemaligen Schüler des Gymnasiums zu gründen. Damals ist es wohl zu der Stiftung dqB gekommen, nicht aber zur Gründung einer Vereinigung im Sinne eines Traditionsvereins.
Die früheste, mir zugängliche Aufzeichnung, die die Vereinigung dqB beim Namen nennt, stammt aus dem Jahr 1909: die "Satzungen für die Vereinigung ehemaliger Schüler des Bautzner Gymnasiums 'Discipuli quondam Budissini'. (Eingetragener Verein)" mit Sitz in Dresden, wo sie "... beim Königl. Amtsgericht Dresden in das Vereinsregister eingetragen ..." wurde. Der satzungsgemäße Zweck des Vereins war "... die Pflege der Pietas Budissina durch die Herausgabe eines Album discipulorum quondam Budissinorum, sodann durch andere, von einer Generalversammlung als dem Vereinszweck entsprechend beschlossenen Veranstaltungen". Das "Album ..." muss einst bis 1895 existiert haben, worauf eine Anmerkung im Mitgliederverzeichnis der dqB von 1929 hindeutet. Ob der Verein nach 1909 tatsächlich dieses Album wieder hat aufleben lassen, ist mir nicht bekannt. Mitglieder im Verein waren zunächst nur Männer, war doch Mädchen der Zugang zu höherer Bildung bis 1910, bis zum Erlass eines entsprechenden Gesetzes durch die sächsische Regierung, nur in Ausnahmefällen erlaubt. In der Mitgliederliste 1929 sind Frauen vereinzelt geführt. Die Versammlungen der dqB fanden routinemäßig jährlich in Dresden statt, Jubiläumstreffen wurden in Bautzen alle 10 Jahre gefeiert, die sogenannten "Dezennalfeste".
Die aktivste Zeit der Vereinsarbeit sind die Jahre von etwa 1925 bis 1938, unter dem Vorsitz (bis 1934) von General a.D. Max Schmidt, Abiturient des Bautzner Gymnasiums von 1881. Der Verein publizierte Berichte an seine Mitglieder, ein Jahresbeitrag von 3,00 RM wurde erhoben, dessen Bezahlung Bedingung für die weitere Mitgliedschaft war.
Die mir vorliegenden Berichte aus den 1930er Jahren gleichen im Tonfall dem der staatlich sanktionierten Organisationen: der Vorsitzende wird als "Vereinsführer" bezeichnet, "Gruß an den Führer (Adolf Hitler)", NS-"Horst-Wessel-Lied" (damals die "zweite Hymne", die nach dem "Deutschlandlied" gesungen wurde) werden erwähnt, nach dem "Führerprinzip" wurde entschieden.
Die Vereinigung dqB setzte sich vergeblich bei der sächsischen Regierung für den Erhalt der Schule als Gymnasium ein, als im Jahre 1937 die Existenz der Schule wegen zu geringer Anzahl von Neuanmeldungen für Sexta auf der Kippe stand. Man konnte die Schule lediglich als "Deutsche Oberschule der Hauptform" erhalten.
Seit etwa 1934 wurden die Väter von Schülern, die das Gymnasium besucht hatten, mit "dqB." vermerkt, die Kennzeichnung verschwand bei den meisten von ihnen nach und nach bis zum letzten Verzeichnis, dem für das Jahr 1943. 1938 wurde erwogen, den Bautzner Verein dqB beim Amtsgericht Bautzen in die Vereinsliste eintragen zu lassen. Dazu ist es aus unbekannten Gründen nicht gekommen. Die Hauptversammlungen von 1939 an scheinen Opfer des Krieges geworden zu sein - oder aber einer strikten NS-Politik, Vereine zu verbieten, die nicht in die NS-Gesellschaftsstruktur passten. Die Vereinsarbeit ruhte, der Zusammenhalt der dqB untereinander reduzierte sich auf Schulfreundschaften, der Verein dqB hatte an Bedeutung für die dqB verloren.
1945 waren alle Vereine durch Verordnung der sowjetischen Militärregierung aufgelöst. Einen Versuch zu erneuter Vereinsgründung in Bautzen hat es während der Jahre der DDR nicht gegeben. Ehemalige Lehrer des Gymnasiums und einige wenige dqB versuchten, den Zusammenhalt der dqB nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es gibt jedoch kaum Erinnerungen an Zusammenkünfte in der Zeitspanne 1939 bis etwa 1976. Die Tochter eines Lehrers berichtete mir, dass während einer gewissen Zeitspanne regelmäßige Zusammenkünfte von Bautzener dqB im damaligen Keglerheim stattfanden. Bei einem meiner Besuche in Bautzen Anfang der 1970er Jahre habe ich an einer solchen Zusammenkunft teilgenommen. Man traf sich und tauschte Erinnerungen und Nachrichten über ehemalige Schüler aus. So, wie es in der Zeit des Nationalsozialismus unter den dqB bewusste Anhänger des NS-Systems gab, vermutete mancher wohl auch treue Parteigänger des kommunistischen Regimes unter den dqB und vermied Vereinskontakte. Von Jubiläumsklassentreffen der Abiturienten des Jahrgangs 1940 im Jahre 1950 in Würzburg und im Jahre 1965, an welchem letzteren die in der DDR beheimateten dqB nicht teilnehmen durften, habe ich gehört.
In der "alten Bundesrepublik" fanden sich abgewanderte Bautzner Bürger in den 1950er Jahren zu "Bautznertreffen" in Hannover zusammen, wo auch ehemalige Lehrer und dqB einander begegneten. Dort verabredete man sich zu Traditionstreffen. Ein erstes fand im Jahre 1963 auf dem "Wellin" bei Plettenberg im Sauerland statt. Es entstand eine Vereinigung ohne Satzung. Federführend war für lange Jahre Johannes Liebisch, Abiturjahrgang 1934. Bis in die 1970er Jahre fanden ziemlich regelmäßig Treffen auf dem Wellin statt. Sobald in der DDR ansässige dqB das "Reisealter" erreicht hatten, konnten sie der Einladung auf den Wellin folgen.
Einen Höhepunkt bildete das Treffen des Jahres 1977, zur 450. Wiederkehr des Gründungsjahres. Damals hielt ein ehemaliger Lehrer des Gymnasiums, Dr. Böttger, zugleich als Vertreter der in der DDR verbliebenen dqB die Festrede. In den folgenden Jahren bis 1989 traf man sich mehr oder weniger regelmäßig.
Als die Mauer gefallen war, setzten sich dqB aus der Bundesrepublik in Kontakten mit den Bautzner Stadtverwaltung und den Landesbehörden in Dresden für die Wiedereinrichtung des Bautzner Gymnasiums ein. Als die Stadt im Jahre 1990 den Beschluss für das neue Gymnasium gefasst hatte, konnten dqB "im Westen" für die materielle Unterstützung der neuen Schule gewonnen werden. Ein erstes "Bautzner Treffen" der dqB organisierten Ehemalige des Abiturjahrgangs 1934 im Jahr 1992, und Anfang 1993 gründete man den "Förderverein Städtisches Gymnasium Bautzen". In dessen Vorstand wurden in Bautzen ansässige dqB gewählt. Förderverein und Vereinigung dqB blieben noch weitere Jahre zwei parallele Institutionen, wobei sich der Förderverein auf die Belange der Schule konzentrierte, während die Vereinigung dqB eine Klammer für die ehemaligen Schüler des Bautzner Städtischen Gymnasiums der Vorkriegs- und Kriegszeit darstellte.
Die Treffen der Vereinigung dqB fanden von 1992 an alle zwei Jahre in Bautzen statt, bis zum Jahre 2002. Im Jahre 1994 wussten wir von 145 überlebenden dqB der Abiturjahrgänge bis 1945, im Verzeichnis 1999 standen noch 116 Namen. Seitdem haben sich die Reihen weiter gelichtet, zum Treffen 2002 waren noch etwa 40 von 70 überlebenden "Alt-dqB" gekommen.
Als Ersatz für die verschwundene große Gedenktafel für die Gefallenen des Krieges 1914-1918 haben Mitglieder der Vereinigung dqB eine Marmortafel in der Aula des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums angebracht, die in allgemeiner Form an die "Opfer von Krieg und Gewalt" erinnert. Die Tafel wurde in einer Gedenkveranstaltung im Jahre 2002 aus Anlass des 475. Jubiläums der Gründung des Gymnasiums enthüllt.
Die Zahl der Mitglieder, die altersbedingt nicht mehr an Treffen teilnehmen konnte, war damals schon so groß, dass das Treffen 2002 als das Letzte seiner Art begangen und beschlossen wurde, dass der Förderverein des Gymnasiums die Tradition der Vereinigung dqB fortführen möge.
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(November 2008) (Fotos oben 1996, unten 1992) |



